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Gefahr durch Wasserleitungen aus Kunststoff ?

[06.01.2004]

Kiel/Kopenhagen (Ullrich Meißner) - Die Alarmglocken bei der dänischen Umweltbehörde in Kopenhagen schrillen, das Kieler Verbraucherschutzministerium ist hellhörig geworden - Wissenschaftler der Dänischen Technischen Universität (DTU) in Kopenhagen haben herausgefunden, dass es um die Trinkwasserversorgung nicht so gut bestellt ist, wie bislang gedacht: Die modernen Kunststoffrohre sind potenzielle Gefahrenquellen. 

Nicht nur in Dänemark, auch in allen anderen europäischen Ländern kann es zu massiven Problemen kommen. In den Versorgungsleitungen finden Bakterien ideale Lebensbedingungen. Hinzu kommt, dass die Rohre selbst auch noch chemische Substanzen ins Wasser abgeben, von denen einige von der EU als hormonwirksam eingestuft sind. Dabei galt das Wasser-Versorgungsnetz in Dänemark bislang als mustergültig, beziehen doch mittlerweile zwei Drittel aller Verbraucher ihr Nass aus moderne n Kunststoffrohren.

Im Kieler Verbraucherschutzministerium kennt man die DTU-Untersuchungen bislang noch nicht im Detail, will diese aber umgehend anfordern. Wie in Deutschland auch, werden in Dänemark landesweit nach und nach die alten Versorgungsstränge durch sogenannte PE-Kunststoffrohre ersetzt. Bislang, so Mikrobiologe Hans Jörn Albrechtsen von der DTU, sei man davon ausgegangen, dass die Kunststoffrohre die optimale Lösung seien, die die bekannten Gefahren für die menschliche Gesundheit durch andere Materialien, wie etwa Blei- oder Kupferrohre eliminieren könnten. Doch weit gefehlt. Die Forschungsergebnisse der DTU, die noch nicht vollständig ausgewertet sind, wurden dieser Tage auch durch Untersuchungen der norwegischen Lebensmittelüberwachung bestätigt. Ole Ladefoged von der Verbraucherbehörde in Kopenhagen: "Drei der von den Norwegern in PE-Rohren nachgewiesenen Chemikalien sind von der EU als hormonwirksam eingestuft worden. Einer dieser Stoffe, 4-tert butylphenol, darf nicht einmal in Verpackungsmaterial für Lebensmittel eingearbeitet werden. Über die beiden anderen Stoffe wissen wir noch zu wenig."

Kunststoffrohre, so Mikrobiologe Albrechtsen, geben unter anderem Phenole an das Trinkwasser ab. Doch dies sei nicht die einzige Gefahr, erläutert er. Für die EU erstelle sein Haus gerade eine Dokumentation der Forschungsergebnisse, denn gefunden worden sei im Wasser auch ein anderer gefährlicher Stoff: MTBE. Üblicherweise findet der sich nur in Benzin, konnte aber auch im Wasser nachgewiesen werden - in zehnfach höherer Konzentration als der Grenzwert erlaubt. 

Gefährlich für den Menschen können neben dem Chemiecocktail auch Bakterien im Trinkwasser werden. "Die Mikroorganismen wachsen in den Kunststoffleitungen, weil sie durch die Rohre selbst mit Nahrung versorgt werden", sagt der Mikrobiologe. Die PE-Rohre sondern sogenanntes AOC (Assimilierbares organisches Carbon) ab, organischer Kohlenstoff, von dem sich die Bakterien ernähren. Nach Einschätzung von Albrechtsen geben die Forschungsergebnisse Anlass zu großer Sorge, denn hormonwirksame Mittel im Trinkwasser könnten fatale Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Eines der nächsten Forschungsvorhaben werde jetzt wohl die Überprüfung sein, ob die zunehmende Unfruchtbarkeit bei Männern in der westlichen Welt auch auf die hormonwirksamen Stoffe in den Wasserleitungen zurückzuführen ist. 

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